Der Schrecken nach der Schreckensnacht

Trinity von Katie Tegtmeyer

Zu den Auseinandersetzungen nach den Übergriffen in Köln an Silvester

Wie viele andere Feministen habe auch ich in der letzten Woche mit Entsetzen die vielen Kommentare rund um die Ereignisse auf dem Domplatz in der Silvesternacht in Köln verfolgt, in denen die Opfer dieser Nacht instrumentalisiert werden, um gegen Migranten aus islamisch geprägten Ländern zu hetzen und gegen Flüchtlinge mobil zu machen.

Wie so oft, wenn jemand zu vehement mit dem Finger auf andere zeigt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die starke Abgrenzung vor allem dem Zwecke der Ablenkung von den eigenen Problemen dient. Schließlich lässt sich mit solchen Manövern hervorragend verhindern, dass die eigenen Verfehlungen ins Blickfeld geraten. So haben zurecht viele Feministen in der letzten Woche darauf hingewiesen, dass nun keiner so tun solle, als sei Rape Culture ein „importiertes Problem“, das wir zuvor nur aus Medienberichten von fernen Ländern gekannt hätten. Dass sexualisierte Gewalt auch in Deutschland Alltag ist, ist natürlich längst bekannt, hat aber nie eine Welle der Empörung geschlagen. Nicht selten wurde das Problem massiv heruntergespielt oder mündete in victim blaming. Für die meisten, so scheint es leider, ist dieses Thema eben nur dann bedeutsam, wenn sie damit andere politische Ziele verfolgen können.

Der Vorwurf der Verharmlosung

Der Verweis darauf, dass sexualisierte Gewalt auch in unseren Gefilden nichts Neues ist, hat in der letzten Woche schließlich vielen Feministen den Vorwurf der Verharmlosung eingeheimst. Das ist ungerecht. Nur weil sich diese Frauen gegen die Instrumentalisierung der Opfer zur Wehr setzen und sich eine konstruktive Debatte wünschen, heißt das nicht, dass sie die Dimensionen der Taten in Köln sowie auch Hamburg in der Silvesternacht nicht anerkennen können und herunterspielen müssen. Der Hinweis, dass auch vor diesen Vorfällen kaum eine Großveranstaltung in Deutschland zu Ende ging ohne mindestens eine Vergewaltigung, impliziert schließlich nicht die Annahme, wir hätten es bei diesen Verbrechen mit dem üblichen Ausmaß sexualisierter Gewalt zu tun.

Ich will dabei auch gar nicht von der Hand weisen, dass womöglich der ein oder andere Beitrag der letzten Woche so geklungen hat, als hätten wir es ständig mit sexuellen Übergriffen in dieser Größenordnung zu tun, wie sie nun offenbar an Silvester stattgefunden haben. Dass solche Gedanken aufkommen konnten, ist aber nicht unbedingt den Kommentatoren vorzuwerfen, die dabei in problematischer Weise verharmlost hätten, sondern liegt vor allem in der zunächst äußerst unzureichenden Informationspolitik der Polizei begründet. Eine Vergewaltigung oder/und einige sexuelle Belästigungen an so einem Abend, wie es vorerst ja gemeldet wurde, wären leider tatsächlich nichts wahnsinnig Ungewöhnliches gewesen. Nunmehr ist klar, dass das Ausmaß wirklich krass und ganz und gar nicht gewöhnlich war. Das ändert aber nichts an der Berechtigung der Kritik vieler Feministen, dass doch nun bitte nicht anstelle der dringlichen Debatte über die gesellschaftlichen Möglichkeiten zur Verringerung sexueller Übergriffe eine darüber geführt werden solle, wie wir künftig mit Asylbewerbern verfahren sollten.

Menschenrechte und die Würde der Opfer

Wir haben nicht das Recht, Menschen ihr Recht auf Unversehrtheit zu verwehren. Und auch wenn das nun vielleicht einige als gewagte These betrachten, selbst ein Straftäter, sogar ein übler Serienmörder und Vergewaltiger hat ein Recht auf Unversehrtheit. Und wer diese Ansichten nicht teilt, der steht wahrscheinlich schon mit der Grundidee von Menschenrechten auf Kriegsfuß. Wir leben aber in einer Gemeinschaft, die sich (hoffentlich!) dazu entschieden hat, die Grundidee der Menschenrechte zu vertreten und wenn nötig zu verteidigen. Schon aus diesem Grund ist der Großteil der durch die Vorfälle am Silvesterabend neu entfachten Flüchtlingsdebatte für mich absolut schockierend. Es lässt düster erahnen, wie weit wir tatsächlich von einer allgemeinen Akzeptanz der Menschenrechte entfernt sind. Schockierend ist auch zu sehen, wie schamlos die Opfer der Silvesternacht nun von den sogenannten „besorgten Bürgern“ für ihre xenophobe Stimmungsmache missbraucht werden. Ernsthaft besorgte Bürger werden sich hingegen darauf konzentrieren, Sexismus zu bekämpfen und nicht darauf, menschenverachtende Parolen zu verbreiten. Sie werden sich dafür einsetzen, einen gesellschaftlichen Rahmen zu schaffen, indem sexuelle Gewalt jedweder Art tatsächlich geächtet ist. Sicherlich könnten dabei kulturelle Prägungen von weitaus sexistischeren Gesellschaften als der unseren eine besondere Herausforderung darstellen. Dass aber nun ausgerechnet die Rechtskonservativen in diesem Land, diejenigen, die selbst den Eindruck hinterlassen, sie könnten noch jede Menge Nachhilfe in Sachen Geschlechtergerechtigkeit und Sexismus vertragen, diese mögliche Herausforderung beständig in den Vordergrund rücken, kann einem schon wie blanker Hohn vorkommen.

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Bildrechte: trinity von Katie Tegemeyer auf flickr, CC BY 2.0

11 Gedanken zu „Der Schrecken nach der Schreckensnacht

  1. Danke! Dein Beitrag hebt sich in seiner Differenziertheit sehr angenehm von den allermeisten anderen ab. Ich war ebenfalls entsetzt. Allerdings nicht minder von FeministInnen und anderen, die oftmals nur noch Ismen hintereinanderreihen, ohne zu sehen, dass sie sich in ihrer sehr eilfertigen Kategorisierung anderer (also politischer Gegner) als Rassisten auf der gleichen Argumentationsstufe befinden wie eben jene geschmähten.
    Mit Blick darauf dann doch wenigstens ein kleiner Zweifel: Du sagst, man wünsche sich eine „konstruktive“ Debatte. Davon habe ich nichts gesehen. Vor allem habe ich zu wenig Zögern und Nachdenklichkeit gesehen. Die Verbrechen von Köln haben aus vielen Gründen eine Reihe von widerlichen Wirkungen. Zuallererst hätte ich mir mehr Klarheit in der Solidarität mit den Opfern gewünscht (und weniger „Whataboutism“). Und dann das Eingeständnis, dass wir vieles eben nicht wissen, woraus eben auch folgt, dass man sich nicht schützend vor Gruppen schmeißen kann (ebenso weinig wie man Gruppen verurteilen kann).

    1. Liebe Nona, vielen Dank für den Hinweis. Wie gut und konstruktiv man viele der feministischen Reaktionen fand, die auf das gesamtgesellschaftliche Sexismusproblem verwiesen haben, hängt wohl auch damit zusammen, welche man so zur Kenntnis genommen hat. Vielleicht magst du deshalb noch kurz etwas konkreter werden und mir mitteilen, welche Reaktionen du im Blick hattest. Ich fand so beispielsweise die Äußerungen von Antje Schrupp durchaus sehr vorsichtig und konstruktiv. Statt herumzuspekulieren, was in der Nacht geschehen sein mag, hat sie viele wichtige Dinge benannt, die man ihrer Ansicht nach gegen Sexismus und insbesondere sexuelle Übergriffe gegen Frauen (generell) unternehmen könnte. Zudem hat sie sogleich berechtigterweise darauf verwiesen, dass wir keine Mauer um unser Land ziehen können. Und auch wenn vielleicht Wizorek mitunter den Eindruck hinterlassen haben mag, sich nicht so gern mit der Problematik kultureller Unterschiede und Sexismus auseinanderzusetzen, so kann man in der Beteiligung an der neuen Kampagne #ausnahmslos durchaus eine Offenheit für eine entsprechende Debatte sehen wollen (den neuen Spiegel-Beitrag habe ich allerdings bisher nicht gelesen, insofern sage ich hier vielleicht zu viel). Laut SZ hat es wohl auch durchaus zwischen den Mitverfasserinnen der Kampagne einige Diskussionen gegeben: #ausnahmslos – ein neuer Aufschrei nach Köln. Die Initiatorin Kübra Gümüşay diskutiert die Themen Islam – Sexismus – Rassismus jedenfalls meines Erachtens recht besonnen, wenngleich ich ihr nicht in allem zustimmen kann. Laurie Penny hat sich einmal mehr sehr differenziert geäußert…Hier noch ein interessantes Statement von Hilal Sezgin aus der Zeit, die sich bereits am 6. Januar über die massive Instrumentalisierung der Opfer beklagt hatte, und nunmehr auch daran erinnert, was für eine merkwürdige Idee eigentlich die Abschiebung der Verbrecher ist: Können wir eigentlich wollen, so fragt sie, dass diese Männer, die vor Gewalt gegen Frauen nicht zurückschrecken, in das Land zurückkehren, aus dem sie gekommen sind, um dort mutmaßlich damit fortzufahren, Frauen zu misshandeln?

      1. Danke für Deine ausführliche Antwort. Werde die Texte nochmals auf Deine Frage hin lesen, kann aber schon mal folgendes mit Blick auf den generellen Instrumentalisierungsvorwurf präzisieren.
        Überwältigt von (kriminellen) Attacken reagieren Leute in der Regel mit schnellen Kategorisierungen: das waren „solche und solche Leute“. – Dann geht die Kette los: „Die klassifizieren alle x als F, das sind Rassisten, die nur auf eine Gelegenheit gewartet haben (= Instrumentalisierung).“
        Was schnell vergessen wird: wir wissen nix oder nicht viel. Und die Behauptung von gegenteiligen Aussagen ist nicht weniger gerechtfertigt.
        Was aber wichtiger ist: Ich glaube, man sollte bei derartigen Klassifizierungen auf so etwas grundsätzlich zwischen (1) Angstreaktionen bzw. Schutzmechanismen und (2) Rassismus bzw. politischen Forderungen unterscheiden.
        Klassifizierungen im Sinne von (1) sind unvermeidlich und überlebenswichtig; wir klassifizieren unsere Mitmenschen genauso fix und unwillkürlich wie den (womöglich glatten) Boden, auf dem wir gehen (und ausrutschen könnten). Wenn jemand sagt, dass x F sind, kann das also ein Orientierungsversuch sein. Erst wenn man daraus eine Klassifizierung im Sinne von (2) ableitet, wird’s problematisch. – Das Problem an der Diskussion ist nun dies: (1) und (2) werden nicht unterschieden. Und jene, die (1) vollziehen, aber für (2) angefeindet werden, fühlen sich diffamiert, also nicht konstruktiv behandelt. – Meine Frage an alle Diskussionsteilnehmer ist: Warum kann man nicht bei (1) stehen bleiben, bis man mehr weiß? Warum muss man so tun, als wisse man längst, worin das Übel besteht oder worin es genau nicht besteht?
        (Der Verweis auf ein generelles Sexismusproblem ist zwar ohne Frage gerechtfertigt, wird aber denen nichts sagen, die im Sinne von (1) auf Köln reagieren, verwirrt sind, und nun gesagt kriegen, dass sie sich gefälligst mit dem Oktoberfest beschäftigen sollen. Das setzt nämlich voraus, dass wir schon wissen, was in Köln (nicht) passiert ist.)

        1. Liebe Nona, das klingt nun aber so, als könnten die ersten Angstreaktionen nicht rassistisch sein. Das erscheint mir doch als eine recht gewagte These.

          1. Die Frage ist für mich nicht, ob Angst rassistisch ist, sondern ob Menschen für (u.a. biologisch) verankerte Ängste in gleicher Weise zur Verantwortung gezogen werden können, wie für politische Haltungen.

          2. Hm, jdn. zur Verantwortung zu ziehen, Vorwürfe zu machen, ist ja tatsächlich oftmals einen heikle Sache, wenn es um Gefühle geht. Trotzdem, so denke ich, kann man seine Gefühle bewerten und – das ist vielleicht noch entscheidender – durch rationale Überlegungen beeinflussen. Wenn ich dich richtig verstehe, meint du mit „natürlich“, dass etwas (in diesem Falle bestimmte Ängste) tendenziell unabänderlich ist. Dass wir Ängste haben, wenn etwas Schreckliches passiert ist, ist nun insofern nicht nur natürlich, es ist auch gut so. Angst ist schließlich ein sinnvoller Schutzmechanismus, wir sollten uns keineswegs darum bemühen, unsere Angstgefühle auszuschalten (was ja wohl sogar durch eine bestimmte sehr krasse Erziehung möglich sein soll). Ängste sind immer auf etwas gerichtet und oftmals hat man dabei vor Klassen von etwas Angst, nicht nur vor den einzelnen konkreten Objekten oder Wesen. So haben wir Angst vor Schlangen und nicht nur vor der Schlange XY etc. Trotz allem scheint es gerade mit Blick auf Angst vor Menschen nicht Natur gegeben und somit unabänderlich zu sein, welche Gruppen man da ausmacht. Als Beispiel: Eine Frau wird von einem jungen Mann mit blondem Haar auf einem Karnevalsfest vergewaltigt, der einen holländischen Akzent zu haben schien. Die Frau könnte nun beispielsweise folgende Gruppen ausmachen und Angst vor ihnen haben: Männer, junge Männer, junge Männer mit blondem Haar, Männer mit holländischem Akzent, junge blonde Männer mit holländischem Akzent, Männer, die Karneval feiern, junge Männer, die Karneval feiern usf. Egal, welche Gruppe diese Frau dabei als Objekt ihrer Angst ausmacht, man könnte dies als begründet oder „ganz natürlich“ betrachten wollen. In allen Fällen könnte man zudem sagen, man dürfe die Frau dafür nicht zur Verantwortung ziehen oder gar ihr Vorwürfe machen. Und doch ist zu erwarten, dass je nach Objekt der Angst die Gesellschaft, ihre soziale Umgebung, vor allem ihre Freunde von ihr erwarten werden, dass sie an sich und ihren Ängsten arbeitet. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie nun vor allen Männern oder allen jungen Männern Angst hätte. Man könnte nun allerhand zu dieser Frau sagen, um ihr zu helfen, ihre Ängste abzubauen; beispielsweise wie viele Vergewaltiger es de facto so gibt, wie wahrscheinlich es ist, dass sie nun ein weiterer Mann irgendwo (jenseits von einem Karnevalsfest) vergewaltigt. Man könnte in Begleitung von Schutzpersonen versuchen, durch Kontakt zu netten Männern ihre Angst vor Männern abzubauen usf. Vorwürfe bringen ja selten wirklich viel, Aufdeckungen hingegen schon eher. Ich empfinde es daher als konstruktiv, wenn man versucht, Dinge zu sagen, die anderen Menschen helfen könnten, die Objekte ihrer Angst ein bisschen in den Griff zu bekommen. Und die vielen Menschen, die nun anscheinend Angst vor allen Männern haben, die irgendwie südländisch, nordafrikanisch oder arabisch aussehen, können eben versuchen, mit ihren Gefühlen verantwortungsvoll umzugehen oder sich diesen einfach nur hingeben.

          3. Liebe Anne,
            ja, ich stimme mit den Punkten Deiner letzen Überlegungen völlig überein. Ich denke auch, man kann erwarten, „dass [eine Person] an sich und ihren Ängsten arbeitet“. Das ist eben jener Punkt, den Sascha Lobo so schön verdeutlicht hat. Ich denke sogar, dass man den Menschen ihre Ängste zugestehen kann, solange sie daraus keine Behauptungen stricken oder gar politische Forderungen. – Genau diese Erwartung wird man mit Recht aber „uns“ (wenn ich das so vereinahmend sagen darf) herantragen: ich musste auch lernen, dass nicht jeder mit einem kahlem Schädel und Springerstiefeln ein Schläger oder gar Nazi ist. Und man muss auch lernen, dass nicht jede Person, die sich unbeholfen ausdrückt eine Rassistin ist. – Man kann seine Mitmenschen korrigieren, ohne ihnen zu unterstellen, dass sie Idioten sind. – Meine Befürchtung ist eben die: dass man sich nur noch Unterstellungen zuruft, wenn man nicht behutsam zuhört, was die Leute sagen wollen. Man kann den Leuten sagen, dass man ihre Ängste versteht und dass ihre Kategorisierungen trotzdem nicht zutreffen. Wenn „wir“ da zu eilfertig und rechthaberisch sind, werden wir viele ‚Linke‘ verlieren, die sich in ihren Ängsten unverstanden fühlen. In Deutschland leben gerade in einer extrem gefährlichen Stimmung.

          4. Liebe Nona, dem kann ich nun fast vollumfänglich zustimmen! Einzig: Ich befürchte, dass man heutzutage nur selten auf Menschen trifft, die wirklich einfach „nur“ solche Ängste haben und daraus keine Behauptungen stricken. Ich habe zumindest nicht all zu viele davon getroffen (was aber natürlich nichts heißen muss). In dieser ganzen Debatte um die Silvesternacht in Köln war jedenfalls sehr auffällig, dass noch bevor überhaupt klar war, ob ein Flüchtling an den Übergriffen beteiligt war, die Flüchtlingsdebatte schon angeheizt wurde (und zwar auch von hohen Politikern) – es hätten aber natürlich auch nordafrikanisch aussehende Deutsche sein können…Und viele der sogenannten Netzfeministinnen standen ganz schön unter Druck, sich möglichst schnell zu äußern. Ihnen wurde sogar schon vorgeworfen, sie würden nun lieber den Mund halten, anstatt zu bekennen, dass sie sich hinsichtlich der Gefahr, die die Einwanderer mit islamischem Hintergrund für uns darstellen, getäuscht hätten. Dabei war ja tatsächlich fast nichts bis dahin klar. So fand ich es im Angesichte der ersten Berichterstattungen auch nicht Fehl am Platz, dass sie erst einmal andere Großveranstaltungen und die Anzahl der dort verübten sexuellen Übergriffe zum Vergleich herangezogen haben. Auch zur Bewältigung oder zumindest zur Rationalisierung der eigenen Ängste ist es ja oftmals gut, Vergleiche und Fakten vor Augen zu haben. Ich finde es ebenfalls sehr gut, dass es nun die eine Kampagne gibt, die sich der Reduktion sexueller Übergriffe verschrieben hat. Denn mitunter klang es ja fast schon so, als würden viele der Auffassung sein, es sei besonders schlimm, wenn eine deutsche Frau von einem südländisch – afrikanisch aussehenden Mann vergewaltigt wird, als wäre es für Frauen irgendwie noch Ok, wenn sie von einem Deutschen belästigt werden… So oder so empfinde ich es jedenfalls auch als großes Problem, dass viele Leute viel zu schnell mit allerhand Vorwürfen um sich werfen, bloß weil sich manche Menschen nicht so gut ausdrücken können oder auch schlicht in einer bestimmten Debatte nicht drin stecken (siehe dazu auch meinen Beitrag Geschlechtergerechte Sprache und Elitarismus, wo ich ein ähnliches Problem in Bezug auf Sexismus und die Sprachneuerungen anspreche: Nicht jeder, der Binnen-Is & Co nicht verwendet, ist ein Sexist und hat es nicht kapiert, nicht jeder, der nicht weiß, was PoC sind, ist schon irgendwie verdächtig usf.)

        2. Danke! Ja, die Punkte gesteh ich Dir gerne zu. Ich habe jetzt doch viel aus unserer Unterhaltung gelernt. Vor allem den Punkt, dass man den Leuten zumuten sollte, sich mit ihren Ängsten auseinanderzusetzen, finde ich hilfreich für das Nachdenken über die Kluft. Und ja, keine Frage, dass die medial geschürten Erwartungen eher auf Popcorngenuss als auf feinsinnige Differenzierungen gerichtet sind. – Ich hoffe, es wird doch noch besser ‚da draußen.‘

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